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2026-08-12 11:00:22 +00:00

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HowTo: Der FHIR date-Suchparameter Präfixe, Intervalle und Kombinationen richtig verstehen

Wer FHIR-Server baut oder abfragt, stolpert früher oder später über den date-Suchparameter. Auf den ersten Blick sieht er simpel aus ?date=2023-06-15 aber sobald Präfixe wie ge, sa oder ap ins Spiel kommen und mehrere date-Parameter kombiniert werden, wird es schnell unübersichtlich. Dieser Artikel bringt Ordnung rein: Schritt für Schritt, mit Zeitleisten-Grafiken zu jedem Fall.


1. Das Grundprinzip: FHIR vergleicht Intervalle, keine Zeitpunkte

Der wichtigste gedankliche Reset zuerst: FHIR behandelt Datumswerte nie als exakten Zeitpunkt, sondern immer als Intervall. Wie breit dieses Intervall ist, hängt von der Precision des angegebenen Werts ab:

  • 2023 → das ganze Jahr 2023
  • 2023-06 → der ganze Juni 2023
  • 2023-06-15 → der ganze 15. Juni 2023 (00:0024:00 Uhr)
  • 2023-06-15T10:00:00 → (fast) ein exakter Zeitpunkt

Jeder Vergleichsoperator vergleicht anschließend zwei Intervalle miteinander: das Such-Intervall aus deinem Query-Parameter und das Resource-Intervall aus dem Feld der Ressource (z. B. Patient.birthDate oder Encounter.period).

Ohne Präfix = eq, aber die Precision entscheidet mit

Gibst du kein Präfix an, nimmt der Server eq an. Das Resource-Datum muss dann vollständig innerhalb deines Such-Intervalls liegen. Je gröber die Precision, desto breiter das Intervall und desto mehr Resource-Werte passen hinein:

Datum ohne Präfix

date=2023-06-15 matched nur diesen einen Tag. date=2023-06 matched dagegen jeden Tag im Juni auch den 15. Das ist der häufigste Stolperstein für Einsteiger: eine „ungenaue" Suchanfrage ist nicht strenger, sondern lockerer.


2. Die neun Präfixe im Überblick

FHIR definiert insgesamt neun Präfixe für date. Jeder davon beschreibt eine andere Beziehung zwischen Such-Intervall (rot gestrichelt in der Grafik) und Treffer-Bereich (grün/farbig schattiert):

Alle Präfixe

Präfix Name Bedeutung
eq gleich Resource-Intervall liegt vollständig im Such-Intervall
ne ungleich Komplement von eq
gt größer als Resource-Datum beginnt nach dem Ende des Such-Intervalls
lt kleiner als Resource-Datum endet vor dem Beginn des Such-Intervalls
ge größer/gleich Beginnt am oder nach Beginn des Such-Intervalls
le kleiner/gleich Endet am oder vor Ende des Such-Intervalls
sa starts after Beginnt vollständig nach dem Ende des Such-Intervalls
eb ends before Endet vollständig vor dem Beginn des Such-Intervalls
ap approximately Ungefähre Übereinstimmung, Toleranz serverabhängig

Praxis-Tipp: sa/eb unterscheiden sich von gt/lt nur spürbar bei Resource-Feldern, die selbst ein Intervall sind (Period, z. B. Encounter.period). Bei einem einzelnen Zeitpunkt-Feld ist der Unterschied meist nicht beobachtbar gt reicht schon, wenn die Period beginnt nach dem Suchdatum; sa verlangt, dass die gesamte Period danach liegt.


3. Mehrere date-Parameter kombinieren

In der Praxis reicht ein einzelner Präfix selten meist willst du einen Bereich definieren. FHIR-Server verknüpfen mehrere date-Parameter in derselben Query immer per UND. Vier typische Muster:

Kombinationen

Kombination Beispiel Charakter
ge + le ge2023-01-01&le2023-12-31 Geschlossenes Intervall (beide Grenzen inklusive)
gt + lt gt2023-01-01&lt2023-12-31 Offenes Intervall (beide Grenzen exklusive)
sa + eb sa2023-01-01&eb2023-12-31 Strikt getrennter Bereich, primär für Period-Werte
ge + lt ge2023-06-01&lt2023-07-01 Halboffenes Intervall [start, ende) Standardmuster für „genau ein Monat"

Wenn du in Timestamp-lastigen ETL-Pipelines mit [start, ende) arbeitest, kommt dir ge + lt bekannt vor es ist exakt dasselbe Muster wie bei klassischen Zeitfenster-Queries in SQL.


4. Die vollständige 3×3-Matrix aller Bereichs-Kombinationen

Die vier Muster oben sind nur die gebräuchlichsten. Tatsächlich lässt sich jede Untergrenze mit jeder Obergrenze kombinieren:

  • Untergrenzen: ge, gt, sa
  • Obergrenzen: le, lt, eb

Das ergibt 3 × 3 = 9 mögliche Kombinationen, alle spec-konform:

3x3 Matrix

Sie unterscheiden sich nur darin, ob die jeweilige Grenze inklusiv (durchgezogene Linie) oder exklusiv (gestrichelte Linie) ist, und ob es sich um einen einfachen Werte-Vergleich (ge/gt/le/lt) oder einen strengen Period-Vergleich (sa/eb) handelt. Es gibt keine explizite Ausschluss-Regel im FHIR-Standard jede Zelle dieser Matrix ist eine gültige, funktionierende Query.


5. Sonderfälle: Wenn Kombinationen redundant oder widersprüchlich werden

Nicht jede syntaktisch gültige Kombination ist auch praktisch sinnvoll. Drei Kategorien solltest du kennen, bevor du sie versehentlich in einer generierten Query landen lässt:

Sonderfälle

a) Redundante Kombinationen

Ändern nichts am Ergebnis, sind aber technisch kein Fehler:

  • eq + eine Grenze, die vom eq-Intervall ohnehin erfüllt wird (eq2023-06-15&ge2020-01-01) die Zusatzbedingung ist überflüssig.
  • Zwei Bedingungen desselben Richtungstyps (ge2020-01-01&ge2023-01-01) nur die strengere (spätere) Untergrenze wirkt effektiv.

b) Kombinationen mit garantiert leerem Ergebnis

Strukturell unmöglich zu erfüllen:

  • eq + ne auf denselben Wert (eq2023-06-15&ne2023-06-15) sich gegenseitig ausschließende Bedingungen.
  • Untergrenze liegt zeitlich nach der Obergrenze (ge2023-06-01&le2023-01-01) kein Datum erfüllt beides gleichzeitig.

Der Server wird solche Queries syntaktisch akzeptieren und einfach eine leere Ergebnismenge zurückgeben kein Fehler, aber auch keine hilfreiche Rückmeldung. Es lohnt sich, so etwas clientseitig vorab zu validieren.

c) Ungewöhnliche, aber gültige Sonderfälle

  • Drei oder mehr date-Parameter, z. B. ein Jahresbereich mit ausgeschlossenem Einzeltag: ge2023-01-01&le2023-12-31&ne2023-06-15.
  • ap kombiniert mit einer Grenze, z. B. ap2023-06-15&ge2023-01-01 selten genutzt, da ap selbst schon unscharf ist und die Toleranzberechnung serverabhängig bleibt.

6. Praxis-Empfehlungen zum Schluss

  • Für einfache Bereichsfilter ist ge + lt (halboffenes Intervall) meist das robusteste Muster es vermeidet Rundungsprobleme an der Precision-Grenze (kein Off-by-one bei „bis einschließlich 31.12.").
  • sa/eb nur einsetzen, wenn das Zielfeld tatsächlich ein Period- oder Range-Element ist. Bei einfachen date/dateTime-Feldern liefern sie in der Regel dasselbe Ergebnis wie gt/lt der zusätzliche Ausdruck bringt dann keinen Mehrwert.
  • Vor dem Absetzen einer Multi-Parameter-Query lohnt sich ein kurzer Check auf logische Konsistenz zwischen Unter- und Obergrenze, um leere Ergebnisse durch Konfigurationsfehler in der eigenen Pipeline zu vermeiden.

Mit diesen fünf Grafiken im Hinterkopf ohne Präfix, alle neun Präfixe einzeln, typische Kombinationen, die volle 3×3-Matrix und die Sonderfälle sollte die nächste date-Query im FHIR-Suchparameter kein Rätsel mehr sein.